Andacht vom Pastor

Der heiße und trockene Sommer, den wir in den vergangenen Monaten erlebten, hat uns deutlich vor Augen geführt, dass wir Menschen nicht alles im Griff haben, sondern uns sogar mit dem Gedanken auseinandersetzen müssen, ob wir nicht selber Verursacher oder zumindest Mitverursacher jener Veränderungen sind, die uns heutzutage zu schaffen machen. Und vieles spricht freilich dafür, dass wir zumindest einen Anteil an den Prozessen haben, unter denen wir und unsere Mitgeschöpfe zurzeit zu leiden haben. Die Prognosen des Bauernverbandes im Hinblick auf die diesjährige Ernte sehen düster aus. Das wird Folgen haben, denn die Preise für einige Grundnahrungsmittel werden steigen, doch hungern wird hierzulande niemand.

Vielleicht ist es aber gar nicht so schlecht, dass die Ernte in diesem Jahr knapper ausfällt als in den Jahren zuvor. Immerhin landen in Deutschland jährlich pro Person ungefähr 80 kg noch essbarer Lebensmittel im Mülleimer. Daran zeigt sich, dass uns das Überangebot an Nahrung, das wir ständig zur Verfügung haben, gleichgültig gemacht hat. Dass wir nicht nur satt werden, sondern oftmals nicht einmal mehr wissen, was wir angesichts der überfüllten Regale essen sollen oder wollen, ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden.

Andererseits gibt es auf unserer Erde viele Menschen, die nicht einmal das Nötigste zum Leben haben, und deren Leben ein beständiger Kampf ums Überleben ist. An ihnen können wir erkennen, dass es keinesfalls selbstverständlich ist, satt zu werden und das Lebensnotwendige stets zur Verfügung zu haben.

Letztlich geht es uns Menschen – oder zumindest den meisten von uns – ja mit allem so, dass wir das, was wir haben, aufgrund der Gewohnheit nicht mehr zu schätzen wissen und als Selbstverständlichkeit betrachten. Dass wir in einem Land leben, in dem wir die Regierung wählen können, in dem die Würde des Menschen geschützt ist, in dem wir uns frei entfalten können, und in dem wir mit allem versorgt und zudem gut abgesichert sind – daran haben viele von uns sich so sehr gewöhnt, dass sie darin kein besonderes Privileg mehr sehen. Dass seit nunmehr 73 Jahren Kriege nur noch woanders stattfinden, und dass das mit ihnen verbundene Leid uns nur in den Medien begegnet oder in den Menschen, die durch Krieg und Terror ihrer Heimat beraubt bei uns Zuflucht suchen, halten viele auch für selbstverständlich. Den wahren Wert dessen, was wir haben, scheinen eher diejenigen zu erkennen, deren Traum es ist, hier zu leben bzw. hier leben zu dürfen. Letztlich sollten wir uns jedoch bewusst machen, dass wir reich Beschenkte sind, beschenkt in einem solchem Maße, dass wir durchaus in der Lage sind, anderen abzugeben, ohne deshalb selbst Mangel zu leiden.

Gerade zum Erntedankfest sollten wir als Christen uns deutlich machen, dass das, wovon und worin wir leben, ein Geschenk ist, für das wir unserem Schöpfer danken können und sollen. Andererseits sollen wir uns aber auch deutlich machen, dass all das, was wir haben, uns auch verantwortlich macht. Für den Umgang mit unserer Natur, mit unserem Überfluss sowie mit den guten Lebensbedingungen in unserem Land sind wir mitverantwortlich. Als Christen sind wir dazu angehalten, für unsere Politiker zu beten, unseren Überfluss mit den Bedürftigen zu teilen und die uns anvertraute Schöpfung zu bewahren. Denn der Gott, der uns seine Liebe darin erwiesen hat, dass er Mensch geworden ist, möchte, dass es uns gut geht und wir ein ruhiges und sicheres Leben führen. Er möchte aber auch, dass es unseren Mitmenschen, die er ja auch liebt, ebenso gut geht. Deshalb hat Jesus uns unmissverständlich gesagt, dass unser Verhalten unseren Mitmenschen gegenüber unsere Liebe oder unsere Lieblosigkeit ihm, Jesus, gegenüber zeigt. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass wir ernten werden, was wir säen; und das heißt, dass wir die Folgen unseres Handelns tragen und ertragen müssen. Mit der Freiheit, die wir haben, ist nämlich immer auch die Herausforderung verbunden, verantwortlich zu reden und zu handeln.

Als Beschenkte, denen Gott seine Liebe erwiesen und seinen Heiligen Geist gegeben hat, haben wir Christen die Berufung, Vorbilder im Umgang miteinander, mit Bedürftigen und mit unserer Umwelt zu sein. Das verlangt unseren Einsatz in Wort und Tat. Da wir dieser Verantwortung immer nur unvollkommen gerecht werden, haben wir auch Grund zur Dankbarkeit dafür, dass Gott uns immer wieder vergibt und große Geduld mit uns hat.

In diesem Sinne wünsche ich allen Gottes reichen Segen
Ihr Pastor Gunter Blaschke
 

HERZLICHE EINLADUNG

zum Gottesdienst und Kindergottesdienst

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Christuskirche Edewecht